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Juni 2024, Jasebeck

Gilda Bartel

Als sei der Mensch eine Maschine. Als trübe sich die Linse des Menschseins mit Ruß. Als wäre Gottes Wort gebunden.

Zeitfenster zerstückeln meine Anwesenheit, und auch meine Anmut, selbst die deine, was genau so eine Frechheit ist. Ästhetische Praxis ist der Widerstand dagegen. Sie verweigert sich der Hetze, auch jener, die in Verallgemeinerungen liegt. Sie tut das Gegenteil. Sie webt mich zusammen, und verwebt mich mit dir, ohne dass ich verloren gehe. Oder vielmehr tue ich das selbst, aber wie von meinem Kosmos aus gelenkt, als griffe meine Sternenexistenz in das Geschehen ein. Ich werde empfänglich, durchlässig für eine neue Heimat.

Niemals hätte ich vorhersehen können, wie sich Brunhild ihre Schnürsenkel bindet. Tapsig kindlich erschien es mir. Sie hielt sich eine große Schlaufe und umwickelte sie langsam mit dem anderen Schnürband, als drehe sie eine Runde. Es war schön zu sehen, weil es mich staunen ließ. Einen kurzen Moment verstand ich, was sie meint, wenn sie meint, ihr Name passe nicht zu ihr. Dann sah ich ihre alt gewordenen Hände, kraftvoll und zugleich fein, vor allem in der goldseidigen Haut, sanft im Verhältnis zur Welt. Diese Hände kochen und denken auch so, wie sie Schnürsenkel binden. Sie betasten und vollziehen in ihrer ganz eigenen Art die Dinge. Und Maike, neben ihr, kam mir an dem Abend wie die Fischerkönigin vor. Sie saß müde auf ihrem Thron, eine Decke über den Beinen, und ich wusste, die Frage nach ihrem Leid kann nicht mehr einfach nur gestellt werden. Diese Zeiten sind vorbei.