4. September 2025, Jasebeck
Gilda Bartel, Philipp Tok
Gilda Bartel:
Im Zuhören wird das Empfinden wie eine Haut, auf der du Spuren hinterlässt. Deren Klänge dringen in die Tiefe und treffen dort manchmal auf einen blinden Fleck. Der dient als Leinwand, auf der nicht mehr ganz Du und nicht völlig Ich miteinander ins Spiel kommen.
Philipp Tok:
Ein Gedanke ist eine universelle, eine Empfindung ist eine singuläre Struktur. Gedanken brauchen Menschen, die sich ihrer Sinnlichkeit entledigen können. Empfindungen brauchen die Verkörperung – das Erwachen an den Sinnen, am Leib, am Leib der Welt.
Vor dem Deich regnet es Wallnüsse. So manche landet direkt auf dem weissen Tisch des Gastmahls. Doch gespeist wird hier nicht. Weder Walnuss noch Mahlzeit. Es sind vielmehr die Gäste selbst, die hier mahlen. Gemälde ihrer selbst und einander. Gemahlen wird das zu Denkende. Jede sucht ihren Zubiss und mahlt sich dann in die Gedankenregionen des anderen Gastes. Doch was den Sinnen obliegt bleibt zwischen den Anwesenden. Eine Druchdringung plastischer Sfären. Sfären die den Kosmos der Vereinzelten umschreiben und ihre Herzen als Mittelpunkt tragen. Feuerstätten bilden sich auch dazwischen. Mancher Funke fliegt, manche Kohle wird zum schneidenden Kristall.
Die Sprache dieser Zeilen trägt ihren ganz eigenen Horizont ins Geschehen: Wortbilder, Gedankenspiele, Sinnahnungen. Die Sprache als Denkende und Beschreibende balanciert und tänzelt zwischen feurigem Sinn und architektonischer Vernunft. Keiner Dynamik muss sie sich ergeben. Behauptet sich selbst und verwirft sich sogleich im folgenden Wort. Doch sie will Dich einnehmen, deiner habhaft werden. Etwas sagen, was Dich trifft. Was Dich abholt zum Fluge oder Tauchgang in die Klüfte und Türme der Seele.